Hatha Yoga

WAS HEIßT EIGENTLICH HATHA YOGA?

Immer wenn man mich fragt, was für einen Yogastil ich eigentlich unterrichte, muss ich kurz stutzen und sage dann im Endeffekt so etwas wie: “Naja, klassiches Hatha Yoga.” Aber was heißt das denn? Was ist Hatha und wie unterscheidet sich das von anderen Yogastilen?
Per Definition ist Hatha gar kein eigener Yogastil. Zum Hatha Yoga gehören alle Yogaarten, die mit Asana (Ausübung von Bewegungen/Yogahaltungen) und Atemtechniken arbeiten.
Yup, richtig gelesen. Das sind so ziemlich alle Yogastile, von Anusara (Fokus auf Herzqualitäten und anatomische Präszision) bis Ashtanga (auch als „Yoga für Yogalehrer“ bekannt, mit kurz gehaltenen, fortgeschrittenen Haltungen), von Yin (Positionen werden mehrere Minuten lang gehalten) bis Bikram (Yoga bei sehr hohen Temperaturen). Das alles gehört zu Hatha Yoga!
Was heißt Hatha” Überhaupt?
Es ist zu ironisch. Hatha heißt wird üblicherweise mit „Kraft“ oder auch „Aufwand“ übersetzt. In manchen Übersetzungen findet man sogar das Wort „Gewalt“, alles Wörter, die so gar nicht zunächst mit Yoga in Verbindung gebracht werden wollen. Yoga ist doch Frieden, Nachgeben, Freiheit!
Im Westen hat sich eine andere Übersetzung eingeschlichen. Bei dieser steht das “Ha” für Sonne und das “Tha” für Mond. Das ist praktisch, denn es suggeriert, dass Hatha Yoga ein Yoga der Balance zwischen unseren Sonnen-und Mondseiten, Licht-und Schatten, maskulin und femininen Energien oder auch Yin und Yang Qualitäten ist. Tja, poetisch. Stimmt aber faktisch einfach nicht!
Michael Lloyd-Billington, in seinem Blog “Living Yoga” sagt zurecht, dass die Silben Ha und Tha nichts mit Sonne (im Sanskrit Surya) und Mond (Chandra) zu tun haben. Klar, wir konzentrieren uns im Yoga viel auf diese Gegensätze (wenn man überhaupt von wirklichen Gegensätzen sprechen möchte. Ich selbst bin da eher so von der „All is One“ Fraktion) aber das ist nun mal nicht die Bedeutung von Hatha Yoga.
Hatha Yoga Heute
Etymologie und Didaktik beiseite, seien wir ehrlich: Im Westen haben wir so einige Yogatraditionen, milde gesagt, abgeändert, neu definiert, anatomisch vertieft und auch die Präzision, unter Beachtung unserer unterschiedlichen Körper, verbessert! Wir haben so Einiges bis zur Unkenntnis mutieren lassen (Stichwort: Bieryoga) aber insgesamt auch für unsere Kulturkreise aufbereitet, was notwendig und hilfreich war, meiner Meinung nach.
Außerhalb der Wiege des Yoga (Indien) ist der Begriff Hatha Yoga synonym geworden für eine „langsamere“ Art der Praxis, eine die noch mehr als andere auf einen bewussten Atem achtet und diesen immer wichtiger sein lässt, als die Ausübung irgendwelcher Posen. Man könnte es so ein bisschen als Gegensatz zum Power Yoga sehen. Die Haltungen werden länger eingenommen, im Vergleich zu, z.b. Ashatanga, wo man eine Haltung selten länger als 5 Atemzüge lang beibehält.
Wenn du also einen Kurs suchst, bei dem du nicht gleich alle möglichen Haltungen in schnellerer Abfolge einnehmen möchtest (oder kannst), dann ist eine Klasse, die als Hatha Yoga bezeichnet wird womöglich eine gute Wahl für dich! Oftmals sind diese Kurse eine gute Einstiegsmöglichkeit für Anfänger, denn es wird-zumindest in meinem Unterricht-mit den Grundhaltungen gearbeitet, solche wie die Kriegerhaltungen, Sonnengrüße und eben Atemübungen, auch Pranayama genannt.
Falls du jetzt aber glaubst, die sind langweilig oder weniger herausfordernd, muss ich dich enttäuschen. Bereite dich auf viel atmen und schwitzen vor!
Ist es ultimativ superwichtig, welche Übersetzung man jetzt für Hatha hernimmt. Wahrscheinlich nicht, aber in einem Bereich, in dem das Lernen keine Ende nimmt, tut es nicht weh, mal ein bisschen besser Bescheid zu wissen, oder? Am besten du kommst einfach mal bei mir vorbei und schaust dir das selbst an. Wir machen das schon!